Martin Kohn mit Hintergrund

Grafikkarten werden teurer – warum CAD zum Einstieg trotzdem keine High-End-GPU braucht

Interview mit Martin Kohn, Produktverantwortlicher MegaCAD

Der Kauf leistungsstarker Grafikkarten wird für viele CAD-Anwender zunehmend zur Kostenfalle: Marktführer Nvidia und andere Hersteller heben die Preise mächtig. Doch braucht modernes CAD wirklich teure High-End-Hardware? Im Experteninterview erklärt Martin Kohn, Produktverantwortlicher bei MegaCAD, warum effiziente Software heute wichtiger ist als maximale Grafikleistung und wie Anwender auch mit moderner Onboard-Grafik produktiv und zukunftssicher arbeiten können.

Grafikkarten werden aktuell spürbar teurer. Wie bewertest Du diese Entwicklung aus Sicht der CAD-Anwender?
Martin Kohn: Die aktuelle Entwicklung trifft viele CAD-Anwender aktuell. Gerade kleinere Büros oder Betriebe stehen ohnehin unter Kostendruck. Wenn dann essenzielle Hardwarekomponenten wie Grafikkarten plötzlich deutlich teurer werden, erschwert Investitionsentscheidungen enorm; insbesondere für Neueinsteiger oder wachsende Teams. Und viele Firmen haben aufgrund des Wechsels von Windows 10 auf Windows 11 schon ihre Hardware schon aktualisieren müssen.

Welche Auswirkungen haben steigende GPU-Preise auf kleinere Planungsbüros und Einsteiger?
Martin Kohn: Wir sehen ganz klar: Investitionen werden verschoben oder kleiner geplant als eigentlich sinnvoll wäre. Viele möchten produktiv starten, haben aber Sorge, sofort hohe Summen in Hardware investieren zu müssen. Genau hier entsteht eine Unsicherheit, die eigentlich nichts mit der eigentlichen CAD-Arbeit zu tun hat.

Wie hartnäckig ist der Mythos, dass es zwingend eine High-End-Grafikkarte für CAD braucht?
Martin Kohn: Diese Meinung ist tatsächlich überholt. Viele verbinden CAD automatisch mit extremen 3D-Anforderungen. Es sollte aber berücksichtigt werden, dass sich die integrieren Grafikkarten in den letzten 10 Jahren auch enorm weiterentwickelt haben. Für den Start in MegaCAD ist die Onboard Grafikkarte der heutigen Prozessoren völlig ausreichend. Gerade wenn durch den Wechsel auf Windows 11 zeitgemäße Hardware neu angeschafft wurde.

Welche Hardware-Komponenten sind heute wirklich entscheidend für flüssiges CAD-Arbeiten?
Martin Kohn: Aus unserer Erfahrung sind eine solide CPU, ausreichend Arbeitsspeicher und eine schnelle SSD deutlich wichtiger als eine teure Grafikkarte. Die GPU wird häufig überschätzt, während andere Komponenten unterschätzt werden. Unsere Software nutzt Mehrkern-Prozessoren dort, wo es technisch sinnvoll ist – beispielsweise bei Rendering- oder bestimmten Berechnungsprozessen.
Viele interaktive CAD-Arbeitsschritte lassen sich jedoch aus technischen Gründen nicht beliebig parallelisieren, da Berechnungen aufeinander aufbauen.
Für ein flüssiges Arbeiten ist daher eine hohe Single-Core-Leistung entscheidend. In der Praxis bedeutet das: Eine CPU mit weniger, aber schnelleren Kernen bietet häufig in MegaCAD eine bessere Benutzererfahrung als ein Modell mit vielen, aber langsamer getakteten Kernen.

Für den Großteil typischer Projekte – vom Metallbau über Maschinen- und Anlagenplanung bis hin zu technischen Zeichnungen – ist moderne Onboard-Grafik vollkommen ausreichend. Viele Anwender sind überrascht, wie performant MegaCAD selbst auf Standard-Business-Hardware läuft. Dies liegt vor allem an der Programmierung von MegaCAD, die immer auf Effizienz und Performance in der Grafikdarstellung Wert gelegt hat und diese Punkte weiterhin ausbaut.

Und ab wann bringt eine dedizierte Grafikkarte tatsächlich einen Mehrwert?
Martin Kohn: Eine Grafikkarte ist dann sinnvoll, wenn sehr große Baugruppen, aufwendige Visualisierungen oder spezielle 3D-Darstellungen im Fokus stehen. Kunden merken meist recht gut, wann der Wechsel auf eine dedizierte Grafikkarte hilft. Dies ist der Fall, wenn erfahrungsgemäß Dateien über 100MB groß sind, oder Ladezeiten durch Komplexität der Zeichnung ansteigen.
Aber: Die Nachrüstung einer dedizierten Grafikkarte funktioniert nur bei Desktop-PCs technisch gut. Bei der Arbeit mit Laptops sollte diese Investition in der Tat direkt berücksichtigt werden.

Wie hilft MegaCAD dabei, Einstiegshürden zu senken?
Martin Kohn: MegaCAD ist so konzipiert, dass es die vorhandene Hardware sehr gezielt nutzt. Wir setzen auf performante, saubere Berechnungen. Das Ergebnis: flüssiges Arbeiten ohne unnötige Hardware-Anforderungen.
Mit MegaCAD können Kunden nach der ersten Schulung sofort produktiv starten, ohne zusätzliche Hardware-Kosten. Das senkt nicht nur die Anfangsinvestition, sondern auch die mentale Hürde beim Kauf. CAD soll ermöglichen, nicht abschrecken. Die Software passt sich dem Projektumfang an – nicht umgekehrt. Das gibt Planungssicherheit über Jahre hinweg.

Was raten Sie MegaCAD-Anwendern angesichts weiter steigender Grafikkartenpreise?
Martin Kohn: Unser Rat ist klar: Nicht aus Angst überinvestieren. Erst die tatsächlichen Anforderungen analysieren und dann gezielt aufrüsten, wenn es wirklich notwendig ist. Mit effizienten CAD-Anwendungen wie MegaCAD bleibt man dabei flexibel und wirtschaftlich.

Wenn ich doch eine Grafikkarte benötige: Was soll ich kaufen?
Wichtig sind mindestens 4GB dedizierter Speicher. MegaCAD nutzt OpenGL, was alle Grafikkarten beherrschen. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass professionelle Karten im Vergleich zu Consumer Karten eine bessere Treiberqualität für OpenGL haben.